Tanz im alten Ägypten

Tanz im Totenkult

Wie im Gottesdienst, so finden sich im Totenkult Hinweise auf Tänze verschiedenster Art.

Vor den Statuen der Toten, die man zum Grabe oder zu den Tempeln führte, schritten Tanzende einher. Erst seit dem Neuen Reich fanden sich unter diesen Tanzenden auch Männer. Der Tanz im Statuengeleit läßt sich bis in die 18. Dynastie verfolgen.

Die Tanzenden gingen in gemessenem Schritt, sich im Rhythmus des Zuges einordnend und die Arme über den Kopf erhoben. Diese bedächtigen Tanzschritte dürfen nicht als Ausdruck von Trauer verstanden werden. Sie hatten einzig den Zweck, sich dem Tempo des Zuges anzugleichen.

Der Tod war im Totenkult nicht Ausgelöschtsein, sondern ein Übergang in ein anderes, jenseitiges Leben. So erklärt sich auch, daß die Statuen des Toten am Grad oder vor dem Tempel von jubellierenden Frauen, die von Dauer und ewigem Sein sangen und sich in leichtem Tanzschritt bewegten, empfangen wurden.

Selbst bei der Leichenfeier wurden Tänze von stürmischer Wildheit aufgeführt. Zu sehen sind sie auf Bilder, die den Toten am Speisetisch zeigen. Der Tote lebt im Jenseits weiter, daher sollte er essen und trinken können und sich an den Tänzen erfreuen. Damit gehörten auch die Tanzenden beiden Sphären, der irdischen und der jenseitigen, an. In einer Opferformel der Pyramidentexte heißt es "Dein Brot für dich; es tanzen dir die Verklärten, es rufen dir zu die ...".

Totenfeste wurden oft zu Freudenfesten, beherrscht von Jubel und Tanz.

Hinzu kommt, daß der Tote als Osiris angesehen wurde, der im Triumphzug die Huldigungen seiner Untertanen empfing. In diesem Zusammenhang sei der Tanz der Muu zu erwähnen. Dieser Tanz ist ein Teil der Zeremonien des osirianischen bzw. des butischen Begräbnisses. Er wurde an der Tür des Grabes von sogenannten Muu-Männern getanzt. Diese Muu-Männer trugen Schilfkronen und sie galten als die Geister der verstorbenen butischen Könige. Teils standen sie in Kapellen, teils bildeten sie kleine Tanzgruppen und teils eilten sie dem Statuenzug entgegen. Sie "kommen mit Jauchzen", um den Neuankömmling zu begrüßen. Auch ihr Tanz ist ein Tanz der Freude.

Doch alle Jenseitsgewißheit konnte den Schmerz um den Verstorbenen nicht gänzlich auslöschen. Ein Pyramidentext beschreibt die Klage um Osiris mit den Worten "Es tanzen dir die Seelen von Pe, sie schlagen für dich ihr Fleisch, sie schlagen dir ihre Hände, sie öffnen ihr Haar und klopfen dir ihre Schenkel".

In wilden Bewegungen brachte man seinen Schmerz zum Ausdruck - Bewegungen, die allerdings nur entfernt an Tänze erinnern. Zeugnis solcher, sonst nur den Klageweibern vorbehaltenen Gebärden, geben die lebhaft bewegten Figuren zweier Frauen, dargestellt am Fußende eines Sarges aus dem Neuen Reich.

Tanzstile vom alten bis zum neuen Reich

Das alte Reich

  • Beginn: 2778 v. Chr., III. Dynastie
  • 2723 - 2563 v. Chr. lassen Cheops, Chephren und Mykerinos die großen Pyramiden und den Sphinx von Giseh bauen.

Der Tanzstiles des alten Reiches war von hoheits- oder würdevoller, aufrechter und gemessener Art, entsprechend der kultischen Handlungen, in dessen Rahmen er oft verwendet wurde.

Abb. 2

Daneben waren akrobatische Kunsttänze beliebt, denen, anders als den gemessenen "Standard"-Tänzen, eine leicht erotische Note zukam - und wohl häufiger von den Pygmäen aufgeführt wurden.

Das mittlere Reich

  • Beginn: 2160 v. Chr., XI. Dynastie,
  • um 1850 kolonisiert Pharao Sesostris III. Nubien bis zum 3. Nilkatarakt.

Der Tanzstil des alten Reiches setzte sich auch im mittleren Reich fort, obwohl asiatische und nubische Tänzer ins Land geholt wurden.

Das neue Reich

  • Beginn: 1580 v. Chr., XVIII. Dynastie,
  • 1580 - 1085 v. Chr. ist Theben die Hauptstadt von Ägypten,
  • um 1500 v. Chr. erobert Pharao Thutmosis III. Phönikien, Palästina und Syrien,
  • 1085 v. Chr. ist der Beginn der Spätzeit in Ägypten; mehrere fremde Dynastien teilen sich die Macht.

Eroberungszüge und Handel brachten Ägypten immer mehr in Kontakt mit fremden Kulturen. Ägyptens Machtposition und Wohlstand wuchs und man spricht von der Blütezeit Ägyptens.

Unter diesem Einfluß wandelte sich auch das Bild vom Tanz. Die hoheitsvollen kultischen Tänze traten immer mehr in den Hintergrund, zugunsten weltlicher Schautänze.

Schwarzafrikanische Tänzer brachten ihre "Negertänze" mit und asiatische Sklaven - z.B. die Bajaderen (südindische Tempeltänzerinnen) - fügten dem Tanz weich fließende Elemente hinzu. Weiterhin soll sich in dieser Zeit der Solotanz entwickelt haben, der mehr und mehr die Gruppentänze ablöste.

Literaturhinweise und Quellen

  • Abb. 1: Festliche Gesellschaft mit Tänzerinnen und Musikanten, aus einem unbekannten Grab in Theben, XVIII. Dynastie
  • Abb. 2: Akrobatischer Tanz.