Tanz im alten Ägypten



Götterdienst und Genuß
Hathor - Herrin von Spiel und Tanz
Tanz im Totenkult
Tanzstile vom alten bis zum neuen Reich
- Das alte Reich
- Das mittlere Reich
- Das neue Reich
Literaturhinweise und Quellen

Götterdienst und Genuß

Organisierter Ackerbau und königliche Verwaltung ebneten Ägypten den Weg zur Hochkultur. Organisation und Verwaltung machte Arbeitsteilung möglich und es entwickelten sich daraus bestimmte Dienstleistungsberufe - damit auch der Beruf des Musikers und Tänzers.

Durch den Berufstanz kam es zu einer Spaltung in den Volks-, Tempel- und Kulttanz einerseits und den weltlichen Schau- und Genußtanz andererseits. Dieser Schautanz war besonders bei der Hofgesellschaft beliebt, denn selber tanzte man nicht mehr.

Der Gemessenheit des Ägypters entsprechend traten Männer jeglichen Standes nur selten als Tänzer auf. Aber wenn ungestüme Freude sie packte, war es mit der Gemessenheit vorbei. Bei der Verkündung der Thronbesteigung der Hatschepsut konnten sich selbst die sonst dem (Selbst-)Tanzen abgeneigten Hofleute nicht zurückhalten.

Der Tanz was also mehr Sache der Frauen. Frauen dienten in den Tempeln oft als Sängerinnen, Musikantinnen, Tänzerinnen oder als Pallakiden (Kebsweiber des Gottes). Mit Musik und Tanz suchten sie die Götter zu erfreuen, aber auch zu besänftigen.

Zu den sakralen Tänzen gehören jene mimischen Tänze, in denen Geheimnisse der Religion zum Ausdruck gebracht werden. Diese Tänze veranschaulichen, wovon das den Tanz begleitende Lied singt.

So wurde im Grabe einer Hathorpriesterin ein Tanz aufgeführt, bei dem - unter den Wechselgesängen "die Türflügel des Himmels öffnen sich, daß der Gott hervorgehe" und "siehe, die Goldene kommt" - zwei Chöre aufeinander zueilten, damit die Vereinigung der beiden Gottheiten darstellend.

Bei der großen Festprozession des Min fanden Tänze statt, bei denen die Tänzer als Gottheiten agierten. Dabei wird aber nicht nur von Tänzerinnen, sondern auch von Tänzern des Gottes berichtet.

Neben den kultischen Feierlichkeiten wurde mit Tanz und Musik beim Gastmahl aufgespielt. Gerne setzte man dazu afrikanische Berufstänzer ein, die Pygmäen. Diese "Tanzzwerge" genannten Tanzkünstler genossen hohes Ansehen und galten als glücksbringend, denn wegen ihrem zwergenhaften Wuchs wurden sie mit dem Schutzgott Bes verbunden.

Hathor - Herrin von Spiel und Tanz

Der Anteil des Tanzes beim Gottestdienst war in dem Kult der Hathor am größten, denn sie selbst hat - nach Frauenart - besondere Freude am Tanz, der ihr "Herzensnahrung" ist. "Hüpfen, Tanzen und Springen" war daher eng mit ihren Festen verbunden. Bei diesen Festen tanzten nicht nur die Frauen im Tempel, sondern alle Frauen der Stadt nahmen daran teil und tanzten auf den Straßen zu Ehren der Göttin.

Der Tanz vor der Göttin diente aber nicht immer nur den Zweck, sie zu erfreuen, sondern sollte auch besänftigenden Einfluß haben. Hathor weist nicht nur wohlwollende Züge auf. Als zürnendes, feuersprühendes Sonnenauge zeigt sie ihre zerstörerischen Kräfte.

"Der König besänftigt dich, siehe der König tanzt dir" heißt es in einem Hymnus an die Göttin. Selbst Gottheiten tanzten vor Hathor "um ihren Grimm zu vertreiben und Fröhlichkeit an die Stelle des Zornes zu setzen".

Am "Feste der Trunkenheit" tanzte der König in Gestalt des Gottes Schu vor der Göttin, wenn er ihr den Weinkrug darbrachte, dessen Trank ebenfalls ihren Zorn stillen sollte.

Tanz im Totenkult

Wie im Gottesdienst, so finden sich im Totenkult Hinweise auf Tänze verschiedenster Art.

Vor den Statuen der Toten, die man zum Grabe oder zu den Tempeln führte, schritten Tanzende einher. Erst seit dem Neuen Reich fanden sich unter diesen Tanzenden auch Männer. Der Tanz im Statuengeleit läßt sich bis in die 18. Dynastie verfolgen.

Die Tanzenden gingen in gemessenem Schritt, sich im Rhythmus des Zuges einordnend und die Arme über den Kopf erhoben. Diese bedächtigen Tanzschritte dürfen nicht als Ausdruck von Trauer verstanden werden. Sie hatten einzig den Zweck, sich dem Tempo des Zuges anzugleichen.

Der Tod war im Totenkult nicht Ausgelöschtsein, sondern ein Übergang in ein anderes, jenseitiges Leben. So erklärt sich auch, daß die Statuen des Toten am Grad oder vor dem Tempel von jubellierenden Frauen, die von Dauer und ewigem Sein sangen und sich in leichtem Tanzschritt bewegten, empfangen wurden.

Selbst bei der Leichenfeier wurden Tänze von stürmischer Wildheit aufgeführt. Zu sehen sind sie auf Bilder, die den Toten am Speisetisch zeigen. Der Tote lebt im Jenseits weiter, daher sollte er essen und trinken können und sich an den Tänzen erfreuen. Damit gehörten auch die Tanzenden beiden Sphären, der irdischen und der jenseitigen, an. In einer Opferformel der Pyramidentexte heißt es "Dein Brot für dich; es tanzen dir die Verklärten, es rufen dir zu die ...".

Totenfeste wurden oft zu Freudenfesten, beherrscht von Jubel und Tanz.

Hinzu kommt, daß der Tote als Osiris angesehen wurde, der im Triumphzug die Huldigungen seiner Untertanen empfing. In diesem Zusammenhang sei der Tanz der Muu zu erwähnen. Dieser Tanz ist ein Teil der Zeremonien des osirianischen bzw. des butischen Begräbnisses. Er wurde an der Tür des Grabes von sogenannten Muu-Männern getanzt. Diese Muu-Männer trugen Schilfkronen und sie galten als die Geister der verstorbenen butischen Könige. Teils standen sie in Kapellen, teils bildeten sie kleine Tanzgruppen und teils eilten sie dem Statuenzug entgegen. Sie "kommen mit Jauchzen", um den Neuankömmling zu begrüßen. Auch ihr Tanz ist ein Tanz der Freude.

Doch alle Jenseitsgewißheit konnte den Schmerz um den Verstorbenen nicht gänzlich auslöschen. Ein Pyramidentext beschreibt die Klage um Osiris mit den Worten "Es tanzen dir die Seelen von Pe, sie schlagen für dich ihr Fleisch, sie schlagen dir ihre Hände, sie öffnen ihr Haar und klopfen dir ihre Schenkel".

In wilden Bewegungen brachte man seinen Schmerz zum Ausdruck - Bewegungen, die allerdings nur entfernt an Tänze erinnern. Zeugnis solcher, sonst nur den Klageweibern vorbehaltenen Gebärden, geben die lebhaft bewegten Figuren zweier Frauen, dargestellt am Fußende eines Sarges aus dem Neuen Reich.

Tanzstile vom alten bis zum neuen Reich

Das alte Reich

  • Beginn: 2778 v. Chr., III. Dynastie
  • 2723 - 2563 v. Chr. lassen Cheops, Chephren und Mykerinos die großen Pyramiden und den Sphinx von Giseh bauen.

Der Tanzstiles des alten Reiches war von hoheits- oder würdevoller, aufrechter und gemessener Art, entsprechend der kultischen Handlungen, in dessen Rahmen er oft verwendet wurde.

Abb. 2

Daneben waren akrobatische Kunsttänze beliebt, denen, anders als den gemessenen "Standard"-Tänzen, eine leicht erotische Note zukam - und wohl häufiger von den Pygmäen aufgeführt wurden.

Das mittlere Reich

  • Beginn: 2160 v. Chr., XI. Dynastie,
  • um 1850 kolonisiert Pharao Sesostris III. Nubien bis zum 3. Nilkatarakt.

Der Tanzstil des alten Reiches setzte sich auch im mittleren Reich fort, obwohl asiatische und nubische Tänzer ins Land geholt wurden.

Das neue Reich

  • Beginn: 1580 v. Chr., XVIII. Dynastie,
  • 1580 - 1085 v. Chr. ist Theben die Hauptstadt von Ägypten,
  • um 1500 v. Chr. erobert Pharao Thutmosis III. Phönikien, Palästina und Syrien,
  • 1085 v. Chr. ist der Beginn der Spätzeit in Ägypten; mehrere fremde Dynastien teilen sich die Macht.

Eroberungszüge und Handel brachten Ägypten immer mehr in Kontakt mit fremden Kulturen. Ägyptens Machtposition und Wohlstand wuchs und man spricht von der Blütezeit Ägyptens.

Unter diesem Einfluß wandelte sich auch das Bild vom Tanz. Die hoheitsvollen kultischen Tänze traten immer mehr in den Hintergrund, zugunsten weltlicher Schautänze.

Schwarzafrikanische Tänzer brachten ihre "Negertänze" mit und asiatische Sklaven - z.B. die Bajaderen (südindische Tempeltänzerinnen) - fügten dem Tanz weich fließende Elemente hinzu. Weiterhin soll sich in dieser Zeit der Solotanz entwickelt haben, der mehr und mehr die Gruppentänze ablöste.

Literaturhinweise und Quellen

  • Abb. 1: Festliche Gesellschaft mit Tänzerinnen und Musikanten, aus einem unbekannten Grab in Theben, XVIII. Dynastie
  • Abb. 2: Akrobatischer Tanz.